Lüge? Wahrheit? Eine nicht zu beantwortende Frage.

Die Berichterstattungen aus Syrien sind derart widersprüchlich, dass man nur noch den Schluss ziehen kann, dass zumindest ein Teil schlicht und einfach gelogen ist. Aber selbst dann, wenn man die Möglichkeit hätte, sich ein eigenes Bild vor Ort zu verschaffen, selbst dann erhielte man nur ein Teilbild der dortigen Geschehnisse und wäre ganz sicher nicht in der Lage zu urteilen.
Da sind Politiker und Medien weniger zauderhaft: Die einzig gesicherte Erkenntnis, dass wieder einmal unter Einsatz von Giftgas gemordet wurde, führte in dem überwiegend handlungsunfähigen Weltsicherheitsrat zu heftigsten gegenseitigen Beschuldigungen, im Weißen Haus zum Befehl, den Flugplatz, von dem aus die syrische Luftwaffe die furchtbare Bombenlast in das Gebiet der Aufständischen geflogen haben soll, zu zerstören.
Aus dem bis zu diesem Zeitpunkt schlechtesten Präsidenten der USA wurde über Nacht ein Held, der, so sinngemäß ein bildungsgebendes deutsches Blatt, „Syriens vergaste Kinder rächte“. Und natürlich stellte sich die Bundesregierung ohne Zaudern voll und ganz hinter diesen Einsatz, der von anderer Seite, so von den ebenfalls an der Region interessierten Russen, als völkerrechtswidrig eingestuft wurde … mit allen sich daraus möglicherweise ergebenden Konsequenzen … noch mal lassen sie die Tomahawk-Raketen wohl nicht vorbeifliegen.

Goethe, der allumfassende Ratgeber in allen Lebenslagen, hat das Problem Lüge-Wahrheit in folgende Worte gefasst:

O weh der Lüge! Sie befreiet nicht,
Wie jedes andre wahrgesprochne Wort
Die Brust; sie macht uns nicht getrost, sie ängstet
Den, der sie heimlich schmiedet, und sie kehrt,
Ein losgedruckter Pfeil, von einem Gotte
Gewendet und versagend, sich zurück
Und trifft den Schützen.

Und trifft den Schützen?

Wenn dem so wäre, hätten wir weniger Probleme in der Welt. Statt wahllos getöteter Menschen lägen die Lügner unter den Betonresten von Aleppo und die Trumps und Putins dieser an und für sich schönen Erde wären sich darin einig, dass die USA und Russland ohne jegliche materielle oder geopolitischen Interessen für Moral und Ordnung auf der Erde zuständig sind.

Schöne neue Welt? Nein, hässliche alte.

Kriegsschiffe stampfen zielsuchend durch die Meere, Flugzeuge und Raketen bringen ihre tobringende Last an den Feind, der nicht mein Feind ist.
Mag sein, dass sich in Diktaturen nur schwer etwas gegen Machtmissbrauch und Kriegslust ausrichten lässt. Mag auch sein, dass wir hier in Deutschland unter dem diktatorischen System des Konsumismus stehen, in dem auch wir selbst die Diktatoren sind. Ganz sicher aber haben wir eine demokratisch gewählte Regierung, die wir abwählen können, wenn sie nicht im Interesse der Menschheit handelt, wenn sie nicht alles unternimmt, einen weiteren großen Krieg zu verhindern.
Kein Trost, dass es vermutlich der letzte sein könnte. Beängstigend, dass es nach der Bundestagswahl vermutlich keine Veränderungen geben wird.

Warum auch, wenn nur die anderen leiden?